Signalanlagen auf der Strecke Busiasch - Kurpark

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Als die ersten Eisenbahnen in Betrieb genommen wurden, herrschte zunächst kaum Zugverkehr. Bei so geringer Zugfrequenz war ein besonderes Zugmeldeverfahren für die Regelung und Absicherung der einzelnen Fahrten noch nicht nötig. Man konnte davon ausgehen, das jeweils zur festgesetzten Abfahrts- bzw. Ankunftszeit eines Zuges, die Strecke frei passierbar war. Dieser Zustand wurde aber mit zunehmendem Zugverkehr gefährlich.

Gegen Mitte des 19. Jahrhunderts wurde ein Zugwarnsystem mit einer Signalscheibe eingeführt. Auf dieser Art konnte man den einen, oder anderen Zug an der Bahnhofseinfahrt warten lassen, bis das entsprechende Gleis frei geworden war, oder Prioritäten bei der Einfahrt setzen. Einer der Nachteile dieser Anlage war die Tatsache, dass der Bahnwärter für jede Verstellung der Signalscheibe durch Wind und Wetter dahin laufen musste und sie manuell verstellen (zwei mal für jeden Zug). Kajetán Banovits, der technische Direktor der M.Á.V (Ungarische Staatsbahn), beseitigte diesen Nachteil, indem er einen elektrischen Antrieb für die Signalscheibe entwickelte. Diese „moderne“ Signalanlage trug seinen Namen.

Funktion und Bedeutung der Signalanlage Banovits:
(Auszug aus den Sicherheitsvorschriften der rumänischen Staatsbahn CFR)

Artikel 19. Das Einfahrsignal mit Metallscheibe hat folgende Bedeutung:

Bei Tag - Die Stellung Freie Fahrt
Bei Nacht - Die Stellung Freie Fahrt
Bei Tag - Die Stellung Halt
Bei Nacht - Die Stellung Halt
Die Stellung Freie Fahrt
Die Stellung Halt
Bei Tag ist die Kannte der Metallscheibe
gegen den Zug gerichtet.
Bei Tag zeigt die rot-weiße Metallscheibe
gegen den Zug.
Bei Nacht leuchtet ein grünes Licht
gegen den Zug.
Bei Nacht leuchtet aus der Mitte der Scheibe
ein rotes Licht gegen den Zug.

Bedeutungen:

Freie Fahrt: Die Einfahrt des Zuges erfolgt auf direktem Gleis mit vorgeschriebener Geschwindigkeit. Auf einem Nebengleis erfolgt die Einfahrt mit gemäßigter Geschwindigkeit (30 Km/h, falls keine weiteren Vorgaben vorhanden).

Halt: Der Zug ist anzuhalten, ohne das Signal zu überschreiten. Zu dieser Signalanlage gab es kein Vorsignal.

Unterschiedliche Banovits Signalanlagen in den 50‘er Jahre

Eine Banovits Signalanlage mit eingesetzter Petroleumlampe in der Stellung „Freie Fahrt“
Die Rückseite einer Banovits Signalanlage in der Stellung „Halt“
Banovits Signalanlage mit eingesetzter Petroleumlampe
in der Stellung „Freie Fahrt“
- Sammlung Valentin Ivanescu -
Die Rückseite einer Banovits Signalanlage
in der Stellung „Halt“

Eine Banovits Signalanlage gab es auch auf der Strecke Busiasch - Kurpark ca. 100 m vor der Bahnhofsbrücke. Es war die einzige Signalanlage auf dieser Strecke. Wenn die Ankunftszeiten der „Kleinen Bahn“ und des Lugoscher Zuges zu nah aneinander lagen, ließ man die „Kleine Bahn“ an der Signalanlage warten, zumal die zwei Züge das gleiche Gleis für die Einfahrt benutzten.

Die zwei Stellungen der Metallscheibe (freie Fahrt und Halt) wurden auf Anweisung des Fahrdienstleiters, vom Wärterhaus elektrisch gesteuert. Die Lichtquelle der Signalanlage war eine Petroleumlampe. Jeden Abend musste der diensthabende Bahnwärter vor der Dämmerung zur Signalanlage gehen und die Lampe in ihrer Halterung hinter der Metallscheibe einsetzen, (Foto) bzw. morgens nach Tagesanbruch diese wieder abnehmen. Zu diesem Zweck gab es hinter der Signalanlage eine entsprechende Leiter aus Metall (Foto).

Herr Josef-Franz Schreck zeichnete uns freundlicherweise aus seinem Gedächnis eine ziemlich genaue Skizze dieser Signalanlage
Ein Originalfoto der Banovits Signalanlage von der Strecke Busiasch - Kurpark gibt es leider in unserer Sammlung noch nicht.
Herr Josef-Franz Schreck zeichnete uns freundlicherweise aus seinem Gedächnis eine ziemlich genaue Skizze dieser Signalanlage.
Um die Aufmerksamkeit der Lokführer auf sich zu richten, waren die Banovits Signal-anlagen in ein auffälliges schwarzweißes Muster angestrichen.

Eine weitere Signalanlage, für Ausfahrten, befand sich bis Anfang der 70’ Jahre vor der Straßenbrücke am Busiascher Bahnhofsgelände. Die Anlage hatte zwei rechteckige Kellen senkrecht schraffiert (typisch Ungarisch). Mit einen voll mechanischen Antrieb wurde die Anlage vom Bahnwerter mittels einer Kurbel manuell bedient.
Die Anlage hatte drei Bedeutungen:

1. Obere Kelle wagerecht: Ausfahrt in allen Richtungen gesperrt
2. Obere Kelle schräg (45°) nach oben: Freie Ausfahrt in Richtung Lugosch
3. Beide Kellen schräg nach oben: Freie Ausfahrt in Richtung Kurpark

Für den Betrieb bei Nacht wurde die Anlage mit Petroleumlampen beleuchtet und hatte folgende Bedeutung:

1. Ein rotes Licht gegen den Zug: Ausfahrt in allen Richtungen gesperrt
2. Ein grünes Licht gegen den Zug: Freie Ausfahrt in Richtung Lugosch
3. Ein grünes und ein gelbes Licht gegen den Zug: Freie Ausfahrt in Richtung Kurpark
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